„Es scheint gute und schlechte Opfer zu geben.“ Dieser Satz von Michael Kyrath ist eine Anklage. Gegen die Politik! Gegen eine Politik, die bei manchen Opfern selbstverständlich Anteil nimmt – und anderen Familien nicht einmal die Anwesenheit ihrer politischen Verantwortungsträger wert ist.
Wenn an die Opfer rechtsextremistischer Anschläge erinnert wird, stehen Bundespräsident, Minister und Spitzenpolitiker selbstverständlich an ihrer Seite. Es werden Reden gehalten, Kränze niedergelegt und der Staat zeigt Gesicht.
Aber warum gilt dieser Respekt nicht auch für Eltern, Geschwister und Familienangehörige, deren Kinder oder Angehörige bei Messerattacken und anderen tödlichen Gewalttaten getötet wurden?
Michael Kyrath lädt am 19. September zu einem Trauermarsch ein.
Zu einem Trauermarsch mit Eltern ermordeter Kinder, Familienangehörigen und Hinterbliebenen. Menschen, deren Leben von einer Sekunde auf die andere zerstört wurde. Menschen, die gemeinsam durch Frankfurt gehen, damit ihre Kinder und Angehörigen nicht vergessen werden.
Eingeladen sind auch Friedrich Merz, CDU-Ministerpräsidenten und weitere politische Verantwortungsträger.
Friedrich Merz ist nicht irgendein eingeladener Politiker. Er ist der Bundeskanzler, der den Bürgern vor der Bundestagswahl einen Politikwechsel versprochen hat: Schluss mit der unkontrollierten Migration. Konsequente Rückführungen. Mehr Sicherheit. Ein Staat, der seine Bürger schützt.
Die Antwort auf die Einladung?
Lapidare Standardabsagen.
Aus dem Kanzleramt.
Von CDU-Ministerpräsidenten.
Nicht einmal ein Vertreter.
Nicht Michael Kyrath wurde abgesagt. Abgesagt wurde den Familien der Opfer. Dabei ist Friedrich Merz das Schicksal einzelner Opfer durchaus bekannt. Nach dem Tod von Marius Dick telefonierte er mit dessen Eltern, die CDU-Mitglieder sind. Das war menschlich und richtig.
Umso unverständlicher ist, dass es keinen vergleichbaren Austausch mit Michael Kyrath gab, obwohl dieser die Familien des Trauermarsches vertritt. Anteilnahme darf keine Frage des Parteibuchs sein.
Michael Kyrath steht nach eigenen Angaben mit mehr als 1.000 betroffenen Familien in Kontakt – darunter auch viele Familien mit Migrationshintergrund. Er berichtet immer wieder von denselben Abläufen: Messerattacken. Tote. Betroffene Familien. Politische Betroffenheitsbekundungen. Und anschließend geht alles wieder seinen gewohnten Gang.
Diese Fragen hätten Friedrich Merz und seine Partei wohl den Eltern beantworten müssen:
Warum musste mein Kind sterben?
Warum wurde nicht gehandelt?
Warum wurden bestehende Gesetze nicht konsequent durchgesetzt?
Warum wurden Menschen nicht abgeschoben, obwohl sie Deutschland hätten verlassen müssen?
Warum hören Eltern seit Jahren dieselben Versprechen – und müssen trotzdem ihre Kinder beerdigen?
Wer diesen Familien aus dem Weg geht, schlägt ihnen ein zweites Mal ins Gesicht. Das ist der Offenbarungseid einer Partei, die mit dem Versprechen angetreten ist, Deutschland wieder sicherer zu machen. Und deshalb verstehe ich Michael Kyrath, wenn er sagt:
„Es scheint gute und schlechte Opfer zu geben.“
Für mich gibt es keine Opfer erster, zweiter oder dritter Klasse.
Opfer sind Opfer.
Jede Mutter.
Jeder Vater.
Jede Schwester.
Jeder Bruder.
Sie alle haben ein Recht darauf, dass sich Politiker ihrer Verantwortung stellen. Nicht nur mit Reden. Sondern mit ihrer Anwesenheit.
Zum Abschluss möchte ich dieses Lied mit Ihnen teilen. Es gibt vielen Familien eine Stimme, die einen geliebten Menschen durch sinnlose Gewalt verloren haben.
🎵 Zur Trauerwache Deutschland am 19. September 2026
https://youtu.be/aLbygMgpels?is=EsEgX5IhQwkRxKHx