Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sorgt mit einer Aussage im Podcast von Paul Ronzheimer für Aufsehen.Während die Ukraine seit Jahren im Krieg lebe, dauerten Krisen in Deutschland aus ihrer Sicht offenbar nur wenige Tage oder Wochen.

„Da war es eine Krise und die dauert in Deutschland vielleicht mal zwei Wochen oder einige Tage“, sagte Reiche im Gespräch mit Ronzheimer. In der Ukraine hingegen müsse man eine Krise „über fünf Jahre aushalten“. Gerade dieser Vergleich dürfte bei vielen Deutschen auf Unverständnis stoßen.

Denn Deutschland steckt selbst seit Jahren in einer wirtschaftlich schwierigen Lage. Das Wirtschaftsministerium konstatiert weiterhin eine schwache Dynamik, mehr als drei Millionen Arbeitslose, eine rückläufige Erwerbstätigkeit und eine weiterhin hohe Zahl an Unternehmensinsolvenzen. Allein von Juli 2025 bis Juni 2026 wurden 24.867 Unternehmensinsolvenzen registriert – 7,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Für Unternehmer, Beschäftigte und Familien fühlen sich diese Probleme kaum wie eine „zweiwöchige Krise“ an.Hohe Energiepreise, steigende Kosten und Arbeitsplatzsorgen begleiten viele Menschen bereits seit Jahren. Selbst die Bundesbank meldete zuletzt, dass 80 Prozent der befragten Unternehmen von gestiegenen Energiekosten innerhalb der vergangenen zwölf Monate berichteten.

Reiches Vergleich ist deshalb politisch brisant: Während sie in Kiew den Durchhaltewillen der Ukrainer hervorhebt, entsteht bei der Beschreibung Deutschlands der Eindruck, die Sorgen hierzulande seien kaum der Rede wert.

Wer Deutschland als Wirtschaftsministerin vertreten soll, muss sich deshalb fragen lassen: Wo bleibt der gleiche Blick für die Menschen zu Hause?

Reiche wollte in dem Gespräch vor allem ihren Eindruck von der Widerstandsfähigkeit der Ukraine schildern. Doch gerade der Kontrast zu Deutschland macht ihre Aussage so explosiv: Fünf Jahre Krise in der Ukraine – und die deutschen Probleme sind angeblich nach zwei Wochen vorbei.