Papst Leo XIV. warnt ungewöhnlich deutlich vor den Folgen Künstlicher Intelligenz. In seiner im Mai veröffentlichten Enzyklika „Magnifica humanitas“ stellt er die Frage, was vom Menschen bleibt, wenn immer mehr Entscheidungen, Arbeit und kreative Prozesse von Maschinen übernommen werden. Seine zentrale Botschaft: Der Mensch darf nicht auf Leistung, Produktivität oder Daten reduziert werden.

Leo XIV. schreibt, die Würde des Menschen hänge weder von seinen Fähigkeiten noch von seiner Leistung ab. Der Mensch sei vielmehr durch seine Beziehungen, seine Freiheit und seine Fähigkeit zur Liebe geprägt. Genau darin sieht der Papst einen grundlegenden Unterschied zur KI: Maschinen könnten menschliche Leistungen nachahmen, hätten aber weder eigene Erfahrungen noch ein moralisches Gewissen oder ein inneres Verständnis von Liebe, Freundschaft und Verantwortung.

Besonders deutlich wurde der Papst nun erneut beim Thema Kunst. In seiner aktuellen Ansprache an Künstler erklärte er, es werde im Zeitalter der KI immer dringlicher, zwischen menschlicher Kunst und maschinell erzeugten Werken zu unterscheiden. Zwischen beidem bestehe ein „ontologischer Unterschied“. Sein Urteil: „Den Algorithmen fehlt der Funke des Menschlichen.“

Dabei lehnt Leo XIV. Künstliche Intelligenz nicht grundsätzlich ab. Seine Kritik richtet sich gegen eine Entwicklung, in der der technische Fortschritt den Menschen beherrscht. In der Enzyklika warnt er davor, Algorithmen über Arbeit, Kredite, öffentliche Leistungen oder den Ruf eines Menschen entscheiden zu lassen. KI dürfe nicht lediglich Effizienz und Gewinn maximieren.

Auch die Deutsche Bischofskonferenz unterstützt diese Linie. In ihrer Würdigung der Enzyklika heißt es, entscheidend sei nicht, wie intelligent Maschinen würden, sondern „ob der Mensch menschlich bleibt“. Zugleich warnt die Bischofskonferenz vor möglichen Folgen für die Arbeitswelt, etwa Entqualifizierung, automatisierter Überwachung und einer zunehmenden Unterordnung des Menschen unter die Geschwindigkeit von Maschinen.

Besonders bemerkenswert: Leo XIV. nimmt in seiner Enzyklika auch den Transhumanismus ausdrücklich ins Visier – also Vorstellungen, den Menschen mithilfe von Technologie und Algorithmen leistungsfähiger zu machen oder seine natürlichen Grenzen zu überwinden. Der Papst setzt dagegen ein anderes Menschenbild: Technischer Fortschritt sei dann sinnvoll, wenn er dem Menschen diene, nicht wenn der Mensch sich selbst zum Optimierungsprojekt mache.