Mal ehrlich: Manchmal frage ich mich, ob einige Politiker überhaupt noch merken, wie das draußen bei den Menschen ankommt.
Da wird mitten in der Sommerpause eine Fraktionssitzung einberufen – und plötzlich wird darüber diskutiert, wer die Reisekosten bezahlt. Nicht etwa aus der eigenen Tasche. Nicht selbstverständlich aus der Fraktionskasse. Nein, offenbar wird überlegt, wie am Ende wieder der Steuerzahler einspringen könnte.
Dabei ist die Fraktionskasse längst vom Steuerzahler gefüllt.
Alle Bundestagsfraktionen erhalten 2026 zusammen rund 141,6 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt. Die CDU/CSU als größte Fraktion dürfte davon deutlich über 30 Millionen Euro erhalten – zusätzlich zu den Diäten und der steuerfreien Kostenpauschale jedes einzelnen Abgeordneten.
Wer eine Fraktionskasse mit mehr als 30 Millionen Euro Steuergeld verwaltet, sollte keine Diskussion darüber führen müssen, wer ein paar Rückflüge bezahlt.
Und trotzdem wird darüber diskutiert, wer ein Flugticket oder eine Umbuchung bezahlt?
Entschuldigung, aber genau das sorgt dafür, dass immer mehr Menschen den Glauben an die politische Bodenhaftung verlieren.
Der Handwerker bezahlt seine Geschäftsreise. Der Selbstständige seine Hotelrechnung. Rentner überlegen sich zweimal, ob sie ihre Kinder oder Enkel besuchen können, weil Bahn und Benzin immer teurer werden. Aber im Bundestag scheint selbst bei bereits millionenschweren Fraktionskassen noch nach einer Möglichkeit gesucht zu werden, zusätzliche Kosten auf den Steuerzahler abzuwälzen.
Es geht hier nicht um ein paar Flugtickets. Es geht um die Haltung dahinter.
Politik fordert von den Bürgern Verzicht, höhere Abgaben, längeres Arbeiten und immer neue Sparmaßnahmen. Dann sollte sie wenigstens bei sich selbst zeigen, dass sie weiß, was Maßhalten bedeutet.
Wer bereits mit Millionen aus Steuergeldern ausgestattet wird, sollte nicht auch noch darüber nachdenken, wie sich die nächste Rechnung beim Bürger abladen lässt.
Manchmal braucht es keine neuen Gesetze. Manchmal reicht einfach Anstand.