Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Artikel überhaupt schreiben soll. Denn eigentlich wünsche ich mir nichts sehnlicher, als dass ich mit meinen Sorgen völlig danebenliege. Ich habe große Sorge. Nicht um einen Parteitag. Nicht um Politiker.
Sondern um die Frauen und Männer der gesamten Blaulichtfamilie, die von Freitag bis Sonntag in Erfurt im Einsatz sind. Und um die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt.
Als ich das BILD-Video zu den Vorbereitungen auf den Parteitag gesehen habe, wurde aus meinem unguten Gefühl echte Sorge. Berichte über mögliche Ausschreitungen, entdeckte Wurfstein-Depots und Warnungen vor gewaltbereiten Linksextremisten lassen mich mit einem sehr schlechten Gefühl auf das kommende Wochenende blicken.
Seit den Ausschreitungen in Gießen gehen mir diese Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Ich hoffe von Herzen, dass sich solche Szenen in Erfurt nicht wiederholen. Demonstrieren ist ein Grundrecht. Gewalt gegen Menschen ist es nicht.
Ich bin wütend, dass wir in Deutschland überhaupt an einem Punkt angekommen sind, an dem Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte, Rettungskräfte und Feuerwehrleute heute immer häufiger damit rechnen müssen, im Einsatz angegriffen zu werden. Wer Einsatzkräfte angreift, greift Menschen an, die jeden Tag für unsere Sicherheit den Kopf hinhalten.
Ich bete selten. Eigentlich nur dann, wenn ich mir wirklich große Sorgen mache. Heute ist so ein Tag. Ich bete dafür, dass den Bürgerinnen und Bürgern in Erfurt nichts passiert.
Ich bete dafür, dass alle Frauen und Männer der Blaulichtfamilie ihren Einsatz gesund überstehen und am Ende des Wochenendes wieder unversehrt nach Hause zu ihren Familien zurückkehren.
Und ich wünsche mir von Herzen, dass ich diesen Artikel am Sonntag noch einmal lese und sagen kann:
„Zum Glück hast du dich geirrt.“
Wenn das so kommt, war jede einzelne Sorge zu viel.
Und genau das wäre die schönste Nachricht.
Ilona Strunk
Die Stimme aus dem Pott
Das Video, das mich zu diesem Artikel bewegt hat.
