Zu Gast bei Markus Lanz saßen zwei ehemalige Kanzleramtsminister – Peter Altmaier (CDU) und Michael Schmidt (SPD). Beide Politiker verbindet mehr als nur die organisatorischen Strippen, die sie im Kanzleramt gezogen haben. Altmaier und Schmidt begriffen sich stets als Diener und loyale Mitarbeiter ihrer Chefs. „Angela Merkel und ich waren in vielen Punkten einer Meinung“, sagte der Ex-Politiker offen wie nie.
Das Job-Angebot von Merkel
Altmaier ist in den letzten Wochen in den Medien präsenter denn je und lässt keine Gelegenheit aus, gegen den amtierenden Bundeskanzler Friedrich Merz nachzutreten. Besonders aufschlussreich waren seine Ausführungen zur Flüchtlingskrise und der Blick hinter die Kulissen der „Physikerin der Macht“.
Bereits 2014 kam es zu einem persönlichen Gespräch zwischen Altmaier und Angela Merkel. Die Kanzlerin wollte ihrem treuen Gefolgsmann ein prestigeträchtiges Amt übertragen und fragte direkt: „Was kannst du dir vorstellen?“
Altmaier antwortete: „Eigentlich würde ich gerne parlamentarischer Staatssekretär werden.“ Merkel reagierte überrascht: „Wie? Da bist du doch gar nicht in der Öffentlichkeit. Ich dachte, du wolltest stellvertretender Fraktionsvorsitzender werden?“
Altmaier ging es darum, als parlamentarischer Staatssekretär „das Regieren zu lernen“ und erfahrenen Politikern wie Wolfgang Schäuble „über die Schulter zu schauen“. Im Rückblick scheint dieses bezahlte Praktikum wenig gebracht zu haben – handwerkliche Fehler wie die Rücknahmebeschlüsse während der Corona-Pandemie sprechen ihre eigene Sprache.
Die Grenzöffnung 2015
Den Höhepunkt des Abends bildeten Altmaiers Schilderungen zur Entscheidung Merkels, im Herbst 2015 die Grenzen nicht zu schließen und damit Millionen Flüchtlingen ungehinderten Zugang nach Deutschland zu gewähren.
Zum entscheidenden Zeitpunkt befand sich Peter Altmaier auf dem Weg zu einem Wirtschaftsgipfel mit führenden Wirtschaftsvertretern in Evian, Frankreich. Auf dem Handy erhielt er „einen Anruf aus Ungarn und einen Anruf aus Deutschland“.
Gleichzeitig wusste die Regierung nicht, wo sich der damalige Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) aufhielt. Nach eigener Aussage war Seehofer auf einer Wanderung ohne Mobilfunkempfang. „Wir hatten keine Möglichkeit, Ordnungsverfahren durchzuführen, wo sich Horst Seehofer befindet, ob zu Hause oder im Altmühltal“, so Altmaier. Auf die Frage von Lanz, ob Seehofer nicht erreichbar sein wollte, antwortete er: „Ja, ich denke, dass Horst Seehofer lauterere Motive hatte und in einer schweren Situation war. Hätte er der Entscheidung zugestimmt, wäre er von der CSU-Basis kritisiert worden.“
Noch am selben Tag der Grenzöffnung wurden sämtliche Senats- und Staatskanzleien der Länder angewiesen, die entsprechenden Maßnahmen umzusetzen.
Mit diesen bisher nie so offen geschilderten Details lieferte Altmaier bei Markus Lanz einen seltenen Einblick in die Machtzentrale jener Tage – und zeigte einmal mehr, wie sehr er bis heute loyal zu Angela Merkel steht.