Der Kanzler fährt mitten im Krieg in die Ukraine und verspricht neue Waffen, Drohnen und 1,35 Milliarden Euro Unterstützung. Merz sagt: Auch Deutschlands Sicherheit hänge vom Ausgang des Krieges ab.
Die Ukraine steht vor entscheidenden Wochen. Deswegen bin ich heute nach Kyjiw gereist mit der Botschaft: Ihr könnt euch auf uns verlassen.
— Bundeskanzler Friedrich Merz (@bundeskanzler) October 4, 2026
Auch Deutschlands Sicherheit hängt vom Ausgang dieses Krieges ab. Deswegen helfen wir auch aus ureigenem Interesse. pic.twitter.com/g5p3cSJzhb
Mitten in der Eskalation des Ukraine-Krieges ist Bundeskanzler Friedrich Merz am Sonntag überraschend in Kiew eingetroffen. Russland hatte erst wenige Stunden zuvor ausländische Staatsbürger und Diplomaten vor Reisen in die ukrainische Hauptstadt gewarnt. Merz kam trotzdem – und hatte eine klare Botschaft im Gepäck.
„Die Ukraine steht vor entscheidenden Wochen“, schrieb der Kanzler kurz vor seiner Ankunft. „Deswegen bin ich heute nach Kyjiw gereist mit der Botschaft: Ihr könnt euch auf uns verlassen.“
Und dann wird Merz grundsätzlich:
„Auch Deutschlands Sicherheit hängt vom Ausgang dieses Krieges ab. Deswegen helfen wir auch aus ureigenem Interesse.“
Die Rechnung für diesen Kurs fällt entsprechend groß aus. Deutschland will eine Milliarde Euro aus bereits bewilligten Haushaltsmitteln für militärische Unterstützung freigeben. Weitere 350 Millionen Euro sollen für die Reparatur und den Wiederaufbau zerstörter ukrainischer Kraftwerke bereitgestellt werden.
Dazu kommen neue Waffen. Merz will der Ukraine Tausende Abfangdrohnen zusichern, die russische Kampfdrohnen bekämpfen sollen. Außerdem soll die Zusammenarbeit bei weitreichenden Waffensystemen ausgebaut werden – also Waffen, mit denen auch Ziele weit hinter der Front getroffen werden können.
Merz macht daraus keinen klassischen Solidaritätsbesuch. Für den Kanzler geht es längst um deutsche Interessen. Bei seiner Ankunft warnte er, wenn Russland nicht gestoppt werde, könne sich die russische Kriegsmaschinerie „früher oder später“ auch gegen andere europäische Staaten richten.
Begleitet wird der Kanzler von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Vertretern deutscher Rüstungs- und Energieunternehmen. Deutschland und die Ukraine wollen auch die gemeinsame Produktion von Drohnen und anderen Waffensystemen vorantreiben.
Während Merz in Kiew demonstrativ Geschlossenheit zeigt, dürfte die Debatte in Deutschland weitergehen: Wie viel Geld soll Deutschland noch in den Krieg stecken? Wie weit soll die militärische Unterstützung gehen – und wo beginnt das Risiko einer weiteren Eskalation?
Eine Antwort darauf gibt der Kanzler an diesem Sonntag sehr deutlich: Deutschland soll die Ukraine weiter unterstützen – nicht nur aus Solidarität, sondern nach Merz' eigener Darstellung aus „ureigenem Interesse“.