Sachsen-Anhalt steht vor einer historischen Landtagswahl. Am 6. September 2026 wird ein neuer Landtag gewählt, und die Nerven der etablierten Parteien liegen blank. Aktuelle Umfragen sehen die AfD mit 41 Prozent und ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund klar in Führung – weit vor der CDU. Das Regierungsprogramm der Partei umfasst mehr als 150 Seiten und trägt den Titel „Regierungsprogramm“. Besonders brisant und klar formuliert sind die Kapitel zu Familie, Einwanderung und Kultur. Die AfD setzt auf „Eisbrecher“ gegen eine migrantisch-linke Übermacht.
Die Partei legt Wert darauf, nicht nur Kritik zu üben, sondern konkrete Gegenentwürfe vorzulegen. Im Mittelpunkt stehen die Stärkung der eigenen Bevölkerung, die Bewahrung kultureller Identität und die Rückführung von Prioritäten, die nach Ansicht der AfD in den vergangenen Jahrzehnten verschoben wurden. Wir machen den VOLKSMUT-Check in Migration und Kultur:
Anerkennungskultur statt Schuldgefühl
Bereits im Kapitel „Familie und Kinder“ formuliert die AfD eine grundlegende Neuausrichtung. Sie fordert eine Anerkennungskultur für deutsche Eltern und eine Willkommenskultur für deutsche Kinder. Politisches Handeln müsse dem Anspruch der Familienfreundlichkeit gerecht werden. Gesellschaftspolitische Instrumente, die verschiedene Teile der Gesellschaft gegeneinander ausspielen, sollen abgeschafft werden. Der „Gleichstellungsbeauftragte“ soll durch einen „Familienbeauftragten“ ersetzt werden. Die Familie aus Vater, Mutter und möglichst vielen Kindern soll wieder in den Mittelpunkt rücken. Einwanderung als Lösung für den demografischen Wandel lehnt die Partei ausdrücklich ab. Stattdessen soll die Geburtenrate der einheimischen Bevölkerung gesteigert werden.
Zurück zum Abstammungsprinzip
Im Kapitel Einwanderung und Remigration fordert die AfD die Rückkehr zum Abstammungsprinzip, das in Deutschland bis zum Jahr 2000 in Kraft war. Konkret heißt das: Turbo-Einbürgerung stoppen und das Geburtsortprinzip streichen. Die deutsche Staatsangehörigkeit soll wieder primär über die Herkunft der Eltern vermittelt werden. Eine AfD-geführte Landesregierung will sich im Bundesrat für die Rücknahme der entsprechenden bundesgesetzlichen Regelungen einsetzen. Die Vorstellung, dass der Geburtsort allein ausreicht, um Deutscher zu werden, wird damit abgelehnt.
Debatten über das Abstammungsprinzip waren in den letzten Jahren urerfolgreich. Gegenwärtig gibt es für ein solches Vorhaben keine Mehrheit im Deutschen Bundestag. Welchen Einfluss Sachsen-Anhalt auf ein Gesetzgebungsverfahren zum deutschen Staatsbürgerschaftsrecht haben könnte, bleibt offen.
Deutsche Fachkräfte zurückholen
Parallel dazu verlangt die Partei ein Remigrationsprogramm für ausgewanderte deutsche Fachkräfte. In den vergangenen Jahrzehnten seien Millionen gut ausgebildeter Deutscher – darunter zahlreiche Sachsen-Anhalter – aus dem Land gegangen. Statt kulturfremde Fachkräfte anzuwerben und mit teuren Integrationsprogrammen zu begleiten, sollen die eigenen Leute zurückgeholt werden. Die AfD sieht darin die ethisch und wirtschaftlich sinnvollere Antwort auf den Fachkräftemangel. Technisierung, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sollen zusätzlich helfen, Engpässe ohne weitere Zuwanderung zu lösen.
Vernünftiges Deutsch statt Gendersprache
Im Kulturbereich will die AfD „Vernünftiges Deutsch durchsetzen“. Gendersprache mit Binnen-I, X-Endungen und Partizipialformen wird im gesamten amtlichen Sprachgebrauch untersagt. An Schulen, Gerichten, Ministerien, in der Kommunalverwaltung und im Landtag sollen nur die bewährten traditionellen Schreibweisen akzeptiert werden. Die Partei begründet dies damit, dass sich in der tradierten Sprache Denken und Identität niedergeschlagen hätten. Geschlechterrollen machten das kulturelle Leben vielfältig und spannend. Eine Richtlinie zu gutem Deutsch soll alle Formen vermeiden, die durch feministische oder Genderideologie motiviert sind. Was genau die AfD unter "vernünftigem Deutsch" versteht, bleibt offen.
Nein zu Muezzin und Minarett
Besonders deutlich wird die AfD beim Thema Islam. Unter der Überschrift „Nein zu Muezzin und Minarett!“ heißt es: Der Islam gehöre weder zu Deutschland noch zu Sachsen-Anhalt. Er habe die Geschichte und Kultur nicht geprägt und sei als politische Religion mit seinem archaischen Scharia-System mit dem abendländischen Staatsverständnis nicht vereinbar. Die Glaubensfreiheit gelte zwar auch für Muslime, sei jedoch in den letzten Jahrzehnten zu einem „Supergrundrecht“ aufgebläht worden. Moscheen müssten nicht als orientalische Prunkbauten weithin erkennbar sein, ein Muezzinruf sei für die Religionsausübung nicht unabdingbar. Die Partei will alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen, den Einfluss dieser kulturfremden Religion in Sachsen-Anhalt zu beschränken.
Die Umsetzung jede Einschränkung der Religionsfreiheit wird von einigen Verfassungsrechtlern kritisch gesehen, allerdings ist Recht immer ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen und damit nicht unumstößlich. Die AfD plädiert für eine rechtssichere Umsetzung, wie genau das erreicht werden soll, bleibt offen. Fraglich ist auch, die konkrete Zuständigkeit des Landes.
Stadtbild und Heimat erhalten
Auch das sichtbare Stadtbild spielt eine zentrale Rolle. Unter „Altbaubestand retten!“ stellt die AfD fest, dass viele Städte über eine identitätsstiftende Altbausubstanz verfügen, deren Erhalt durch steigende Baukosten, Bürokratie und fehlende Förderprogramme bedroht sei. Eine AfD-geführte Landesregierung will die Kreditvergabe zu Sonderkonditionen für die Sanierung dieser Substanz ermöglichen und Bürokratie abbauen. Das historische Gesicht der Städte und Dörfer soll als Zeichen von Kontinuität und Identität bewahrt werden.
Eine Vision für Deutschland
Klar wird auf Grundlage dieser Maßnahmen eine Vision der AfD für Deutschland, angefangen beim Stadtbild, der Sprache, der Familie und der Frage, wer eigentlich dazugehört. Man kann diese Vision in einer Demokratie ablehnen. Man kann sie für falsch, zu hart oder unrealistisch halten. Aber es ist eine Vision. Während andere Parteien oft im Ungefähren bleiben und sich auf allgemeine Bekenntnisse zu Vielfalt und Offenheit beschränken, formuliert die AfD hier ein klares Bild: weniger kulturelle Überfremdung, mehr Selbstbehauptung, Priorität für die eigene Bevölkerung und ein öffentliches Leben, das wieder erkennbar deutsch geprägt ist. Ob diese Vision mehrheitsfähig wird, entscheidet der Wähler am 6. September.