Während Deutschland gebannt nach Sachsen-Anhalt blickt, vollzieht sich in Berlin nahezu geräuschlos die womöglich folgenreichere Machtverschiebung. Am 6. September könnte die AfD in Magdeburg mit mehr als 40 Prozent stärkste Kraft werden. Politiker, Journalisten und selbst ernannte Demokratieverteidiger überbieten sich deshalb mit Warnungen vor einem angeblichen Untergang der Republik. Zwei Wochen später wird in Berlin gewählt. Dort steht die radikale Linke vor einem historischen Triumph.
Sachsen-Anhalt liefert Linken und Grünen den perfekten politischen Windschatten. Während sie im Osten vor einer vermeintlichen rechten Machtübernahme warnen, bereiten sie in der Hauptstadt ihre eigene Machtübernahme vor. Eine geheime Absprache ist dafür nicht notwendig. Der Effekt entsteht von selbst: Alle Kameras sind auf Magdeburg gerichtet, während Berlin fast unbeobachtet nach links kippt.
Im aktuellen Berliner Wahltrend liegt die Linke mit 20,4 Prozent vor CDU und AfD. Gemeinsam mit Grünen und SPD hätte sie rechnerisch eine Mehrheit im Abgeordnetenhaus. Die Partei, die bei der Wiederholungswahl 2023 noch auf 12,2 Prozent kam, greift nach dem Roten Rathaus.
Es wäre kein gewöhnlicher Regierungswechsel. Es wäre die Machtübernahme eines politischen Milieus, das Enteignungen wieder salonfähig macht, Identitätspolitik zur Staatsräson erheben will und seinen sogenannten Antifaschismus zunehmend als Freibrief zur Ausgrenzung Andersdenkender versteht.
Angeführt wird dieser Marsch von Elif Eralp. Die Spitzenkandidatin der Berliner Linken erklärt New Yorks sozialistischen Bürgermeister Zohran Mamdani offen zum Vorbild. Sie blickt „positiv nach New York“ und will von ihm lernen. Sein eingefrorenes Mietenniveau dient ihr als Blaupause für einen landeseigenen Mietendeckel. Gleichzeitig fordert die Berliner Linke die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne. Die möglichen Entschädigungen könnten Schätzungen zufolge bis zu 35 Milliarden Euro betragen.
Berlin soll das deutsche New York werden. Gemeint ist jedoch nicht die Stadt des Aufstiegs, der Freiheit und der wirtschaftlichen Kraft. Gemeint ist Mamdanis sozialistisches Versuchslabor, übertragen auf eine Hauptstadt, deren Verwaltung schon an funktionierenden Bürgerämtern, sauberen Straßen und ordnungsgemäß durchgeführten Wahlen scheitert.
Gewaltparolen auf einer Veranstaltung der Linken
Wie weit Teile dieses Milieus bereits nach links außen gerückt sind, zeigte eine Wahlkampfveranstaltung des Neuköllner Bezirksverbandes. Unter dem Titel „Wütend auf den Kapitalismus“ trat dort der Rapper Dahabflex auf. Er sang „Death to the IDF“ und „Yalla Yalla Intifada“. Das Publikum tanzte und klatschte, während die anwesenden Politiker zunächst nicht eingriffen. Erst nach der öffentlichen Empörung verurteilte Eralp den Auftritt und erklärte, die Verantwortlichen hätten sofort intervenieren müssen.
Diese spätere Distanzierung war notwendig. Sie beseitigt jedoch nicht den eigentlichen Skandal. Entscheidend ist, dass solche Parolen auf einer Veranstaltung der Linken überhaupt eine Bühne erhielten und offenbar erst der öffentliche Druck jene rote Linie sichtbar machte, die vor Ort niemand verteidigte.
„Death to the IDF“ ist kein wörtlicher Aufruf zur Tötung aller Juden. Es ist aber eine unverhohlene Gewaltparole gegen die israelische Armee. Der Intifada-Ruf trägt zudem die Erinnerung an Terroranschläge, ermordete Zivilisten und jüdische Opfer in sich. Wer solche Worte in Berlin skandiert, tut dies in einer Stadt, in der jüdisches Leben längst wieder unter Polizeischutz steht.
Der Konflikt ist innerhalb der Partei nicht neu. Bereits 2024 verließen prominente Politiker wie der frühere Kultursenator Klaus Lederer die Linke und kritisierten unter anderem deren Umgang mit Antisemitismus. Eralp verweist zwar auf einen Fünf-Punkte-Plan und versichert, jüdisches Leben schützen zu wollen. Doch zwischen den offiziellen Erklärungen der Parteispitze und den Zuständen in Teilen der aktivistischen Basis klafft eine immer sichtbarere Lücke.
Berlin verliert die Kontrolle
Ausgerechnet diese Partei könnte nun eine Stadt übernehmen, in der der Staat bereits an zu vielen Stellen den Rückzug angetreten hat. Zwar sank die Gesamtzahl der registrierten Straftaten 2025, doch in entscheidenden Bereichen explodierten die Zahlen. Die Schusswaffenkriminalität stieg um 68 Prozent. In 515 registrierten Fällen wurde tatsächlich geschossen. Statistisch waren das deutlich mehr als ein Fall pro Tag. Zugleich wurden 3.599 Messerangriffe und 2.268 antisemitische Straftaten erfasst. Die politisch motivierte Kriminalität von links stieg um 37,9 Prozent, die Zahl der linksmotivierten Gewaltdelikte von 137 auf 237.
Auch die kritische Infrastruktur ist längst zum Ziel geworden. Seit dem Jahr 2000 registrierten Polizei und Senatsinnenverwaltung mindestens 22 mutmaßlich linksextreme Brandanschläge auf Stromleitungen, Trafostationen, Kabelschächte und Funkmasten. Die linksextreme Kampagne „Switch Off“ listete sogar mehr als 50 Aktionen und Angriffe mit Berlin-Bezug auf.
Im Januar bekannte sich die sogenannte Vulkangruppe zu einem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz. Zehntausende Haushalte und Tausende Betriebe waren betroffen. Frühere Anschläge trafen bereits Stromkabel, Funkanlagen und die Versorgung von Unternehmen. Die Täter nehmen die Folgen für unbeteiligte Bürger bewusst in Kauf und erklären ganze Wohnviertel zu legitimen Zielen ihres Klassenkampfes.
Der Rechtsstaat ist in Berlin noch nicht gefallen. Aber er weicht zurück. Er weicht zurück, wenn Gewalttäter den öffentlichen Raum beherrschen, wenn jüdische Bürger ihre Symbole verstecken, wenn Extremisten die Stromversorgung angreifen und wenn Politiker mehr Energie auf Straßenumbenennungen und identitätspolitische Sprachregelungen verwenden als auf Sicherheit, Sauberkeit und eine funktionierende Verwaltung.
Hinzu kommt eine historische Demütigung. Die Hauptstadt der Bundesrepublik war 2021 nicht einmal in der Lage, eine ordnungsgemäße Wahl durchzuführen. Der Berliner Verfassungsgerichtshof erklärte die gesamte Abgeordnetenhauswahl wegen schwerer systemischer Mängel für ungültig. Rund 60 Prozent der Sitze waren von mandatsrelevanten Wahlfehlern betroffen. Das Gericht sprach von einem wohl einmaligen Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik.
Nun könnte ausgerechnet diese Stadt zum nächsten sozialistischen Prestigeprojekt werden. Die Linke verbindet den berechtigten Frust über hohe Mieten mit einem radikalen Machtangebot. Sie verspricht Schutz vor Verdrängung, verlangt dafür aber die politische Verfügungsgewalt über Eigentum, Sprache, Erinnerung und öffentliche Räume.
Eine Linke im Roten Rathaus würde nicht nur Berlin verändern. Die deutsche Hauptstadt ist Schaufenster und Machtzentrum der Republik. Was hier zur Normalität wird, strahlt auf das ganze Land aus. Enteignungspolitik, linksradikaler Aktivismus und ein immer aggressiverer Antizionismus würden nicht länger von außen gegen den Staat protestieren. Sie säßen plötzlich an seinen Schreibtischen.
Genau deshalb ist der Windschatten Sachsen-Anhalts so gefährlich. Während Deutschland über Ulrich Siegmund, die AfD und die Brandmauer diskutiert, können Linke und Grüne ihre Berliner Machtoption als beinahe gewöhnlichen Regierungswechsel verkaufen. Die lauteste Warnung vor Magdeburg verdeckt den lautlosen Marsch auf das Rote Rathaus.
Berlin soll nach dem Willen der Linken das deutsche New York werden. Tatsächlich droht die rote Hölle im Herzen Deutschlands: eine Hauptstadt, in der der Staat gegenüber Extremisten Schwäche zeigt, während er seine Macht umso entschlossener gegen Eigentümer, Autofahrer und politische Gegner richtet.
Am 20. September entscheidet sich deshalb mehr als die Zusammensetzung eines Landesparlaments. Berlin steht vor der Wahl zwischen einer mühsamen Rückkehr zu Ordnung und Realität oder dem endgültigen Aufstieg zur sozialistischen Modellstadt. Die Linksfaschisten stehen vor den Toren des Roten Rathauses. Dieses Mal benötigen sie keine Revolution. Ihnen genügen der Windschatten Sachsen-Anhalts und ein Wahlsieg.