Christen werden zur Minderheit – und der Hass wächst
Deutschland verliert seine christliche Mehrheit. Gleichzeitig steigt die Zahl christenfeindlicher Straftaten deutlich. Während Politik und Institutionen ausführlich über Islamfeindlichkeit sprechen, besitzt die wachsende Feindseligkeit gegen Christen kaum eine politische Lobby.
337 christenfeindliche Straftaten registrierte das Bundesinnenministerium 2024 – 21,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Wiener Beobachtungsstelle OIDAC dokumentierte sogar 471 Vorfälle in Deutschland: Vandalismus, beschädigte Kirchen, Brandstiftungen, körperliche Angriffe. Trotzdem bleibt es erstaunlich still.
Christen sind erstmals Minderheit
Dabei verändert sich Deutschland in historischem Tempo. Ende 2025 gehörten nach Angaben der EKD noch rund 41,3 Millionen Menschen einer christlichen Kirche oder Gemeinschaft an – 49,5 Prozent der Bevölkerung. In dem Land, dessen Geschichte, Feiertage, Architektur und Kultur über Jahrhunderte vom Christentum geprägt wurden, sind Christen damit erstmals auch bei weiter Definition keine Mehrheit mehr.
Gleichzeitig wächst die muslimische Bevölkerung. Wissenschaftliche Schätzungen gehen inzwischen von mehreren Millionen Muslimen in Deutschland aus. Das allein ist kein Beleg für Christenfeindlichkeit. Es verändert aber religiöse Kräfteverhältnisse – und damit die Konflikte, mit denen sich Politik beschäftigen müsste.
Über Islamfeindlichkeit spricht Brüssel – über Christenfeindlichkeit kaum
Besonders auffällig ist der politische Umgang mit dem Thema. Die Europäische Union verfügt seit Jahren über einen Koordinator zur Bekämpfung antimuslimischen Hasses. Einen entsprechenden Beauftragten gegen Christenfeindlichkeit gibt es bis heute nicht. Die Kommission der katholischen Bischofskonferenzen der EU hat deshalb bereits gefordert, antichristlichen Hass institutionell stärker zu bekämpfen.
Die Frage liegt auf der Hand: Ist ein angegriffener Christ weniger schützenswert? Ist eine geschändete Kirche politisch weniger relevant als eine Moschee? Natürlich nicht. Und trotzdem entsteht genau dieser Eindruck.
Das Kreuz wird zum Problem
Besonders alarmierend wird es, wo religiöse Konflikte auf Schulhöfen ausgetragen werden. Religiöser Konformitätsdruck und Mobbing sind inzwischen Gegenstand politischer und wissenschaftlicher Untersuchungen. Berichte, dass „Christ“ oder „Jude“ als Schimpfwort verwendet werden, gibt es seit Jahren. Auch Angriffe wegen sichtbar getragener Kreuze sind dokumentiert.
Daraus sollte man keine Kollektivschuld von Muslimen konstruieren. Ebenso wenig darf man verschweigen, wenn islamistische oder religiös-fundamentalistische Milieus Christen, Juden, Konfessionslose oder liberal lebende Muslime unter Druck setzen. Genau diese Unterscheidung verweigert die Politik zu oft.
Und wo ist eigentlich die CDU?
Noch bemerkenswerter ist das Schweigen jener Partei, die das Christliche sogar im Namen trägt. Die CDU diskutiert Brandmauern, Koalitionsarithmetik, Rentenpakete und demoskopische Zielgruppen. Wer aber vertritt noch offensiv die Interessen eines christlich geprägten Deutschlands?
Das „C“ ist geblieben. Der politische Anspruch dahinter wirkt immer häufiger wie eine historische Erinnerung. Vielleicht liegt darin auch die Erklärung für das Schweigen: Christen werden demografisch kleiner, kirchlich schwächer und politisch weniger geschlossen. Andere Bevölkerungsgruppen gewinnen an Bedeutung. Und Politik zählt Stimmen.
Christenfeindlichkeit darf kein blinder Fleck bleiben
Antisemitismus ist nicht hinnehmbar. Antimuslimischer Hass ist nicht hinnehmbar. Christenfeindlichkeit ist es ebenso wenig. Eine freiheitliche Gesellschaft beweist ihre Toleranz nicht dadurch, dass sie die Religion ihrer eigenen Geschichte besonders gleichgültig behandelt.
Deutschland muss keine Theokratie werden, um sein christliches Erbe zu verteidigen. Aber ein Land, in dem Kirchen geschändet, Christen wegen ihres Glaubens angegriffen und religiöse Einschüchterung auf Schulhöfen verharmlost werden, während die Politik lieber über Begrifflichkeiten streitet, hat ein Problem.
Christen werden zur Minderheit. Die Angriffe nehmen zu. Und ausgerechnet das politische Berlin schaut weg.