Es ist Spätsommer. Das Licht verändert sich, und vereinzelt entstehen jene melancholischen Lichtspiele, die diese Jahreszeit so besonders machen. Genau in diesem Licht hängen seit Samstag die Wahlplakate der Parteien: markige Sprüche oder die Konterfeis politischer Akteure.

Ich muss zugeben, dass mich dieser Anblick mit Traurigkeit erfüllt. Er macht mir meine politische Heimatlosigkeit auf eine Weise bewusst, die ich nur schwer in Worte fassen kann.

Diese Heimatlosigkeit begann für mich mit einer immer stärker werdenden Einteilung in ein starres Rechts-Links-Schema, das den Blick auf die normalen demokratischen Kategorien zunehmend verdrängte.

Ihren Höhepunkt erreichte sie für mich nach dem sprachlos machenden 7. Oktober 2023, dem Terroranschlag auf das Nova-Festival und Israel. Das überwiegende Schweigen weiter Teile der politischen Linken oder die Relativierung beziehungsweise Legitimation der Taten haben mich tief erschüttert.

Bis heute kann ich nicht nachvollziehen, dass Teile der Linken Terroristen als „Widerstand“ deklarieren und leugnen oder relativieren, dass am 7. Oktober ein Terroranschlag verübt wurde, der sich auch gegen unsere demokratischen Werte richtete.

So betrachte ich die Wahlplakate heute mit einer gewissen Ratlosigkeit. Gleichzeitig spüre ich nach wie vor eine innere Abwehr gegenüber der AfD.

Auffällig ist allerdings, dass ihre Plakate inzwischen nicht mehr ganz oben an den Laternenmasten hängen müssen. Das wirkt auf mich wie ein Zeichen dafür, dass die Partei gesellschaftlich deutlich stärker akzeptiert ist als noch vor einigen Jahren.

Auf bittere Weise zeigt das für mich auch, dass die permanente Empörung, das pauschale „Gegen rechts“ und die immer schrilleren Demonstrationen – bis hin zu Schildern mit entmenschlichenden oder ausgrenzenden Parolen – ihr Ziel offenbar verfehlt haben. Statt die AfD zu schwächen, haben sie ihr aus meiner Sicht gestärkt.

Dann entdecke ich ein Plakat, das mich berührt.

Darauf ist Karoline Preisler abgebildet, daneben ein klarer Satz: „Nie wieder Judenhass.“ Ich denke mir: Wir sollten mehr Preislern, denn wir brauchen Menschen mit Haltung und Klarheit.

Berlin geht besser.

Ich spüre, dass mich diese Botschaft anspricht. Berlin geht besser – und vor allem geht es ohne Judenhass besser.

Der Herbst wird entscheidend sein. Er wird zeigen, ob die Melancholie dieser Stadt weiter anwächst und in eine gesellschaftliche Depression mündet oder ob wir wieder aufatmen können.

Lassen wir diese alte Stadt nicht los. Wählen wir klug.
Bis dahin genießen Sie die Stadt!