„Es gibt keinen Grund, Schwarz-Rot-Gold der AfD zu überlassen. Wirklich keinen“. Franziska Brantner hat die Deutschlandfahne entdeckt. Die Grünen-Chefin möchte plötzlich, dass ihre Partei die deutschen Farben zeigt. Wer für dieses Land einstehe, wer Freiheit und Gleichberechtigung verteidige, habe allen Grund dazu. Während Brantner heute patriotische Töne anschlägt, existiert aus der Geschichte der Grünen Jugend ein Bild, das den selbstbewussten Fahnen-Schwenk der Gegenwart in ein ziemlich unangenehmes Licht rückt.
Juni 2008. Bundeskongress der Grünen Jugend in Bonn. Auf der damaligen Internetseite der Nachwuchsorganisation erschien ein Foto, das drei junge Männer über einer am Boden liegenden Deutschlandfahne zeigt. Einer von ihnen hat die Hose heruntergelassen. Die Aufnahme wurde später entfernt. Medien berichteten, die Männer hätten auf die Fahne uriniert. Die Grüne Jugend erklärte anschließend, die Szene sei gestellt gewesen. Ob tatsächlich uriniert wurde, blieb umstritten.

Was nicht umstritten ist: Das Bild stand auf der offiziellen Website der Grünen Jugend. Und es musste erst öffentlich zum Skandal werden, bevor es verschwand.
Die damalige Berichterstattung dokumentierte den Vorgang. Die JUNGE FREIHEIT berichtete zudem, dass die Organisation zunächst keine Distanzierung abgeben wollte und erst unter öffentlichem Druck einlenkte.

Die Grünen haben Deutschland lange genug erklärt, warum man auf nationale Symbole besser verzichten sollte. Schwarz-Rot-Gold war in Teilen des Milieus nicht Ausdruck von Heimatverbundenheit, sondern ein Verdachtsmoment: zu national, zu rechts, zu gefährlich.
Jetzt soll die Deutschlandfahne plötzlich nicht mehr der AfD gehören. Jetzt wird erklärt, dass man sie selbstverständlich zeigen dürfe. Jetzt wird Patriotismus zur politischen Notwendigkeit.
Wer die Fahne zurückhaben will, sollte vielleicht erklären, warum sie in der eigenen Partei zum Gegenstand des Hasses wird.