Während SPD-Chefin Bärbel Bas wegen eines Trauerfalls im engsten Familienkreis sämtliche Termine absagen musste, erlebt Hubertus Heil gerade seinen größten medialen Auftritt seit seinem Ausscheiden aus dem Kabinett. Offiziell geht es um sein neues Buch. Doch in den Interviews geht es auffällig häufig auch um seine politische Zukunft.

Seit Tagen ist Heil wieder omnipräsent. Rund um die Veröffentlichung seines Buches „Der Angriff der Autokraten“gibt er Interview um Interview. Am 30. September erschien ein großes Gespräch, am 1. Oktober folgte die Buchpremiere mit Ex-Bundespräsident Joachim Gauck in Berlin, am 2. Oktober berichtete radioeins ausführlich über sein Buch und am 4. Oktober saß Heil fast eine Stunde bei WDR 2.

Dabei ist die Buchpromotion längst mit der entscheidenden Personalfrage der SPD verbunden. Beim WDR wurde Heil ausdrücklich gefragt, was er besser machen könnte als die amtierenden SPD-Chefs Bärbel Bas und Lars Klingbeil. Bei Markus Lanz wurde er anschließend mehrfach gefragt, ob er selbst Interesse am SPD-Parteivorsitz habe. Ein klares Dementi blieb aus.

Besonders bemerkenswert: Schon bei der Buchpremiere war die Frage nach Heils Ambitionen kaum zu übersehen. Laut ntv wurde das Publikum praktisch mit der Frage konfrontiert, ob Heil Parteichef werden wolle. Heil selbst blieb bei seiner bekannten Formel, er wolle seinen Beitrag leisten und die SPD wieder auf Kurs bringen.

Und während all das passiert, ist Bärbel Bas aus der Öffentlichkeit verschwunden. Ihr Ministerium teilte am 5. Oktober mit, dass sie wegen eines Trauerfalls im engsten Familienkreis sämtliche Termine in dieser Woche absagt. Auch am geplanten Koalitionsausschuss wird sie voraussichtlich nicht teilnehmen.

Zufall oder strategischer Moment? Dass Heil seine Buchveröffentlichung für eine massive mediale Präsenz nutzt, ist zunächst völlig legitim. Auffällig ist allerdings, dass aus der vermeintlichen Buchpromo gleichzeitig eine öffentliche Debatte über seine mögliche Rückkehr an die Spitze der SPD geworden ist.