Wolfgang Schmidt war einer der wichtigsten Männer im Umfeld von Olaf Scholz. Jetzt wechselt der frühere Kanzleramtschef zur Beratungsgesellschaft EY – jenem Unternehmen, das jahrelang die Bilanzen des später kollabierten Zahlungsdienstleisters Wirecard prüfte. Brisant: Schmidt selbst hatte sich während seiner Zeit im Finanzministerium mit Wirecard beschäftigt.

Neuer Job für einen alten Vertrauten: Wolfgang Schmidt (SPD), ehemaliger Chef des Bundeskanzleramts unter Olaf Scholz, wechselt zur internationalen Beratungsgesellschaft EY. Dort soll er als Senior Advisor die nationale und internationale politische Beratung verstärken. Schmidt gehörte über Jahre zum engsten politischen Umfeld von Scholz und war von 2018 bis 2021 Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, bevor er im Dezember 2021 ins Kanzleramt wechselte.

Schmidts frühere Rolle im Wirecard-Komplex

Der Wechsel bekommt eine besondere Note durch Schmidts frühere Beschäftigung mit dem Fall Wirecard. Im Juni 2019 wandte sich der damalige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium an den chinesischen Vize-Finanzminister Liao Min. In einer E-Mail informierte Schmidt seinen chinesischen Ansprechpartner über das Interesse des Zahlungsdienstleisters Wirecard am chinesischen Markt. Die Kontaktaufnahme erfolgte, nachdem die Beratungsfirma Spitzberg Partners des früheren Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg bei der Bundesregierung für Wirecard geworben hatte. Nach damaligen Medienberichten war der Schritt nicht mit dem damaligen Finanzminister Olaf Scholz abgesprochen.

EY und der Milliarden-Skandal

Auch EY selbst steht wegen seiner früheren Rolle bei Wirecard in der Kritik. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft testierte die Jahresabschlüsse der Wirecard AG von 2009 bis 2018 uneingeschränkt. Im Juni 2020 musste der Konzern schließlich einräumen, dass angeblich auf asiatischen Treuhandkonten liegende 1,9 Milliarden Euro nicht nachweisbar waren. Wirecard meldete kurz darauf Insolvenz an. Im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages wurde die Arbeit der EY-Prüfer intensiv hinterfragt – unter anderem mit der Frage, weshalb die fehlenden Milliarden nicht früher aufgefallen waren.

Bundesregierung hatte keine Einwände

Schmidts Wechsel zu EY wurde bereits vor Monaten auf Regierungsebene geprüft. Nach Angaben von EY hatte das Bundeskabinett im Juni 2026 beschlossen, dass gegen die neue Tätigkeit keine Bedenken bestehen. Für ehemalige Mitglieder der Bundesregierung gelten besondere Regeln für den Wechsel in Tätigkeiten außerhalb des öffentlichen Dienstes. Eine Beschäftigung kann unter bestimmten Voraussetzungen zeitweise untersagt werden, wenn öffentliche Interessen beeinträchtigt werden könnten.

Schmidt soll bei EY künftig seine Erfahrung aus Regierungsarbeit und internationaler Politik einbringen. Dass er nun für die Beratungsgesellschaft arbeitet, die einst Wirecards Bilanzen prüfte, stellt eine auffällige Verbindung zwischen seiner früheren politischen Tätigkeit und seinem neuen Arbeitgeber her. Ein direkter Zusammenhang zwischen Schmidts damaliger Kontaktaufnahme für Wirecard und seinem jetzigen Wechsel zu EY ist allerdings nicht belegt.