Deutschland startet mit ungewöhnlich niedrigen Gasreserven in die Heizperiode. Die deutschen Gasspeicher sind nur noch zu rund 60 Prozent gefüllt. Damit liegt die Bundesrepublik deutlich unter den Füllständen vergangener Jahre. Ausgerechnet zu Beginn der kalten Jahreszeit fehlen wichtige Reserven für die kommenden Monate.
Nach Angaben der Bundesnetzagentur betrug der Füllstand am 6. November 2026 gerade einmal 60,2 Prozent. Das entspricht rund 149 Terawattstunden Erdgas. Zum 1. November hätte der Füllstand bundesweit rechnerisch etwas mehr als 70 Prozent erreichen sollen. Für die meisten Speicher gilt sogar eine gesetzliche Vorgabe von 80 Prozent. Diese wurde deutlich verfehlt.
Besonders angespannt ist die Situation im niedersächsischen Rehden. Dort befindet sich Deutschlands größter Gasspeicher. Sein Füllstand lag zum Beginn des Novembers bei gerade einmal 20 Prozent. Damit verfehlte auch dieser zentrale Speicher die geltende Vorgabe von 45 Prozent deutlich.
Ein wesentlicher Grund für die niedrigen Reserven sind die hohen Gaspreise auf dem Weltmarkt. Der anhaltende Iran-Krieg hat die Energiemärkte unter Druck gesetzt. Für viele Händler lohnte es sich deshalb wirtschaftlich nicht, im Sommer größere Gasmengen einzukaufen und einzulagern. Hinzu kommt, dass Deutschland bereits mit vergleichsweise niedrigen Speicherständen aus dem vergangenen Winter kam.
Die Bundesnetzagentur versucht unterdessen, Sorgen vor einem möglichen Gasmangel zu dämpfen. Die Versorgung sei derzeit gesichert. Neben den vorhandenen Speichern seien vor allem Pipeline-Importe, Flüssiggaslieferungen (LNG) und die europäische Infrastruktur entscheidend. Allerdings warnen Fachleute vor möglichen Engpässen bei längeren Kälteperioden oder ausfallenden Lieferungen. Dann könnten sowohl die Preise als auch die kurzfristige Verfügbarkeit unter Druck geraten.
Für Millionen Haushalte und die deutsche Industrie beginnt der Winter damit unter ungünstigen Vorzeichen. Eine unmittelbare Gasmangellage ist nach Einschätzung der Behörden zwar nicht zu erwarten. Doch die niedrigen Speicherstände machen Deutschland stärker von laufenden Importen und einem funktionierenden internationalen Gasmarkt abhängig. Sollte der Winter besonders kalt werden, könnte sich die Situation deutlich verschärfen.
Auch der Weg zurück zu russischem Erdgas ist vorerst versperrt. Seit 2022 bezieht Deutschland kein russisches Pipelinegas mehr. Die EU hat zudem im Januar 2026 das schrittweise Verbot russischer Gasimporte beschlossen.
Kommentare