Der Deutschlandfonds soll private Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe mobilisieren. Dafür stellt der Bund rund 30 Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln und Garantien bereit. Doch auf eine parlamentarische Anfrage kann die Bundesregierung nicht einmal sagen, wie viel privates Kapital bislang tatsächlich aktiviert wurde.
Im Dezember 2025 startete die Bundesregierung gemeinsam mit der staatlichen Förderbank KfW den sogenannten Deutschlandfonds. Das ambitionierte Ziel: Mit rund 30 Milliarden Euro an staatlichen Mitteln und Garantien sollen Investitionen von bis zu 130 Milliarden Euro angestoßen werden. Das Geld soll in die Industrie, den Mittelstand, die Energieinfrastruktur sowie in Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz und Biotechnologie fließen.
Doch hinter der beeindruckenden Zahl steht eine entscheidende offene Frage: Wie viel davon ist tatsächlich schon in Bewegung gekommen?
130 Milliarden – aber wie wird gerechnet?
Der Deutschlandfonds ist entgegen seiner Bezeichnung kein klassischer Investmentfonds. Er bündelt unterschiedliche staatliche Finanzierungsinstrumente: Garantien, Kredite, Eigenkapitalbeteiligungen und Verbriefungen. Der größte Teil der vorgesehenen öffentlichen Mittel entfällt auf staatliche Garantien und Gewährleistungen. Der Staat übernimmt damit einen Teil des Risikos, um private Investoren zu größeren Engagements zu bewegen.
Wie die Bundesregierung allerdings genau auf das angestrebte Investitionsvolumen von 130 Milliarden Euro kommt, bleibt erklärungsbedürftig. In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion verweist sie auf Expertenschätzungen, Erfahrungswerte und konkrete vertragliche Vereinbarungen. Die genaue Methodik der sogenannten Hebelwirkung soll erst im Rahmen eines regulären Reportings näher erläutert werden.
Besonders brisant: Auch die Frage, wie sich tatsächlich zusätzliche Investitionen von ohnehin geplanten Vorhaben unterscheiden lassen, ist damit noch nicht abschließend öffentlich nachvollziehbar. Schließlich macht es einen erheblichen Unterschied, ob staatliche Garantien neue Investitionen ermöglichen oder lediglich bereits vorgesehene Projekte absichern.
Erste Millionen fließen – die große Bilanz fehlt
Ganz ohne Ergebnisse ist der Fonds allerdings nicht. Im Rohstoffbereich hat sich der Bund mit bis zu 150 Millionen Euro am Lithiumprojekt des Unternehmens Vulcan Energy im Oberrheingraben beteiligt. Weitere 50 Millionen Euro fließen in ein australisches Projekt zur Gewinnung Seltener Erden. Im Bereich Start-ups und Wachstumsunternehmen meldete die KfW Capital bis Ende Juni 2026 zudem rund 185 Millionen Euro an Zusagen für verschiedene Risikokapitalfonds.
Trotz dieser ersten Finanzierungen bleibt die Gesamtbilanz offen. Auf die Frage, wie viel privates Kapital bis zum 31. August 2026 tatsächlich mobilisiert wurde, erklärte die Bundesregierung in ihrer Antwort vom September, der Deutschlandfonds befinde sich noch im Hochlauf. Eine abschließende Bezifferung sei derzeit nicht möglich. Eine entsprechende Übersicht solle erst mit dem geplanten regulären Reporting vorgelegt werden.
Damit stehen zwei sehr unterschiedliche Botschaften nebeneinander: Im Juli sprach die Bundesregierung noch von einem erfolgreichen ersten Halbjahr. Im Oktober musste sie einräumen, dass eine vollständige Übersicht über die tatsächlich mobilisierten privaten Investitionen noch nicht vorliegt.
Der Deutschlandfonds kann für den Wirtschaftsstandort Deutschland ein wichtiges Instrument werden. Doch 30 Milliarden Euro an staatlichen Mitteln und Garantien sind kein politisches Spielgeld. Wenn der Staat Risiken übernimmt, müssen Bürger und Parlament nachvollziehen können, welche Investitionen dadurch tatsächlich entstehen, wer profitiert und welche finanziellen Verpflichtungen am Ende beim Steuerzahler verbleiben.
Kommentare