+++ SICHERHEITSALARM +++ Fast 30 Passagierflüge sind innerhalb eines Tages von Bombendrohungen betroffen. Kampfjets steigen auf, Maschinen müssen umgeleitet werden, Flughäfen lösen Sicherheitsalarme aus. Besonders brisant: Die Drohungen könnten Teil einer koordinierten Kampagne sein. Wer dahintersteckt, ist bislang ungeklärt.

Europa erlebt eine ungewöhnliche Serie von Bombendrohungen gegen den zivilen Luftverkehr. Am Donnerstag, dem 5. November, wurden nach Angaben von Reuters nahezu 30 Passagierflüge ins Visier genommen. Betroffen waren unter anderem Verbindungen von Ryanair, Wizz Air, Aer Lingus, Finnair und LOT. Italienische, französische und bulgarische Kampfjets wurden alarmiert, um Flugzeuge zu eskortieren oder abzufangen. Die Sicherheitsbehörden mussten an mehreren Flughäfen umfangreiche Kontrollen einleiten.

Kampfjets eskortieren Passagiermaschinen

Besonders spektakulär verlief ein Vorfall mit einem Flug der irischen Fluggesellschaft Aer Lingus. Der Airbus A320 war mit 151 Passagieren und sechs Besatzungsmitgliedern auf dem Weg von Dublin nach Rom, als eine Bombendrohung einging. Französische Kampfjets begleiteten die Maschine schließlich zu einem Militärflugplatz bei Évreux, rund 100 Kilometer westlich von Paris. Die Passagiere wurden in Sicherheit gebracht, anschließend untersuchten Spezialkräfte das Flugzeug.

Auch die bulgarische Luftwaffe musste eingreifen. Drei Ryanair-Maschinen auf dem Weg nach Sofia wurden von Kampfjets eskortiert. Ein Flug aus London wurde nach Plowdiw umgeleitet. Eine Wizz-Air-Maschine von Mailand nach Warschau musste ebenfalls ihren ursprünglichen Kurs verlassen und landete in Wien. In Madrid und Warschau wurden weitere Flugzeuge gestoppt und kontrolliert.

Nach bisherigen Erkenntnissen wurden bei den untersuchten Maschinen keine Sprengsätze gefunden. Die Drohungen erwiesen sich bislang als Falschalarme. Dennoch zeigen die Vorfälle, wie schnell eine anonyme Nachricht den europäischen Flugverkehr durcheinanderbringen und erhebliche Sicherheitsmaßnahmen auslösen kann.

Russische Spur oder gezielte Destabilisierung?

Besondere Aufmerksamkeit erregt der Inhalt einiger Drohschreiben. Nachrichten an Flughäfen in Rom und Sofia enthielten frauenfeindliche Botschaften und beriefen sich auf sogenannte „Fighters of the Male State“. Dabei handelt es sich um eine Bezeichnung, die auf eine russische antifeministische Bewegung zurückgeht. Ihr Gründer Wladislaw Posdnjakow erklärte allerdings, die Gruppierung existiere nicht mehr und habe mit den aktuellen Drohungen nichts zu tun. Eine Urheberschaft konnte bislang nicht nachgewiesen werden.

Sicherheitsexperten halten sowohl Nachahmungstäter als auch eine koordinierte Kampagne für möglich. Auch eine hybride Operation steht im Raum. Dabei geht es nicht zwingend darum, tatsächlich einen Sprengsatz an Bord zu bringen. Schon die Drohung selbst kann ausreichen, um Fluggesellschaften, Flughäfen und Sicherheitsbehörden zu binden, Kosten zu verursachen und das Vertrauen der Bevölkerung in kritische Infrastruktur zu erschüttern. Reuters verweist in diesem Zusammenhang auch auf zeitgleiche Cyberangriffe auf Supermarktkühlsysteme und französische Blutbanken.

Wer hinter der Serie steckt, ist weiterhin offen. Eine Beteiligung Russlands ist bislang ebenso wenig bewiesen wie eine Verbindung zu der genannten Bewegung. Für Europas Sicherheitsbehörden bleibt die Herausforderung dennoch erheblich: Die Angriffe treffen eine Infrastruktur, die auf reibungslose Abläufe und das Vertrauen der Passagiere angewiesen ist.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob sich tatsächlich Sprengstoff an Bord befindet. Sondern auch, wer Europas Sicherheitsapparat mit vergleichsweise einfachen Drohungen immer wieder in Alarmbereitschaft versetzen kann.