Drei Stimmen fehlen der AfD in Sachsen-Anhalt zur absoluten Mehrheit. Siegmund bestätigt Gespräche mit möglichen Seitenwechslern, die CDU beschwört Geschlossenheit. Doch ausgerechnet Lars-Jörn Zimmer lässt eine öffentliche Absage vermissen. Sein früherer Mitstreiter Ulrich Thomas schließt einen Wechsel dagegen ausdrücklich aus. VOLKSMUT beleuchtet zwei Politiker, die den Streit über den Umgang mit der AfD schon lange vor diesem Wahlausgang angeheizt haben.

Lars-Jörn Zimmer: Der frühere Fraktionsvize schweigt

Foto: Lars-Jörn Zimmer

Zimmer, Jahrgang 1970, stammt aus Brehna, ist Diplom-Betriebswirt und seit 1994 CDU-Mitglied. Vor seiner Landtagszeit arbeitete er in der Wirtschaftsförderung der Stadt Wolfen. Politisch ist er in Bitterfeld-Wolfen und im Kreistag Anhalt-Bitterfeld verankert.

Seine Offenheit gegenüber einer Zusammenarbeit mit der AfD brachte ihm bereits 2020 erheblichen Ärger ein: Nach einem ZDF-Interview über eine mögliche Minderheitsregierung mit AfD-Tolerierung ließ er seinen Posten im CDU-Landesvorstand ruhen. Zimmer erklärte damals, seine Aussagen seien unklar formuliert gewesen; einen Widerspruch zu den Parteibeschlüssen habe er nicht beabsichtigt.

Jetzt ist er der einzige der 15 neu gewählten CDU-Abgeordneten, der die Wechsel-Anfrage von MDR INVESTIGATIV auch nach mehrfacher Nachfrage unbeantwortet ließ. Das lässt die Frage nach seiner Haltung offen. Eine Zusage an Siegmund ist es nicht.

Ulrich Thomas: Der Mann hinter dem frühen Öffnungsvorstoß

Foto: Ulrich Thomas

Thomas, Jahrgang 1968, ist gelernter Elektriker und seit 1990 selbstständiger Fahrschulinhaber. Der Quedlinburger gehört seit 2006 dem Landtag an und ist langjähriger CDU-Kreisvorsitzender im Harz.

2019 erklärte er zur AfD: „Wir sollten eine Koalition jedenfalls nicht ausschließen“. Gemeinsam mit Zimmer verfasste er eine achtseitige Denkschrift. Beide sahen ähnliche Ziele bei CDU- und AfD-Wählern und verlangten eine Rückbesinnung auf die Nation. Thomas begründete seinen Vorstoß mit der Sorge, Bündnisse mit SPD und Grünen zerstörten die Identität der CDU.

Heute zieht Thomas eine klare Grenze. Gegenüber dem MDR erklärte er: „Es wird keinen Überläufer geben! Dies gilt natürlich auch für meine Person.“ Die gemeinsame Vorgeschichte ist brisant – die aktuelle Lage aber eindeutig verschieden: Zimmer schweigt, Thomas dementiert. Wer beide bereits als Siegmunds sichere Stimmen zählt, greift den Tatsachen vor.