Von neuen Großmoscheen bis zu Millionenprojekten: Quer durch Deutschland entstehen neue islamische Zentren. Dahinter stehen gut organisierte Verbände mit eigenen Netzwerken, Spendenstrukturen und teilweise engen Verbindungen ins Ausland.

Deutschland bekommt neue Moscheen. Und es geht längst nicht mehr nur um kleine Gebetsräume in Hinterhöfen. In mehreren Städten entstehen repräsentative Neubauten mit großen Gebetssälen, Bildungsangeboten, Vereinsräumen und weiteren Einrichtungen.

Eine zentrale Statistik über sämtliche Moscheebauprojekte gibt es allerdings nicht: Die Bundesregierung erklärte bereits, dass Bauvorhaben islamischer Gemeinden nicht systematisch erfasst werden.

Trotzdem zeigt ein Blick auf aktuelle Projekte, wie stark muslimische Verbände ihre Infrastruktur ausbauen.

1.000 Gläubige in Regensburg

Im Mai wurde in Regensburg die neue DITIB-Turkuaz-Moschee offiziell eröffnet. Der moderne Komplex bietet nach Angaben von DITIB Platz für bis zu 1.000 Gläubige und soll neben dem Gebet auch als Bildungs- und Begegnungszentrum dienen.

Bemerkenswert war auch die Gästeliste bei der Eröffnung: Neben dem DITIB-Generalsekretär waren die türkische Generalkonsulin in Nürnberg sowie der türkische Religions-, Bildungs- und Arbeitsattaché anwesend.

In Bad Kreuznach läuft der Ausbau ebenfalls. Nach jahrelanger Planung begannen im Juli 2026 die Bauarbeiten für einen neuen DITIB-Moscheebau im Gewerbegebiet.

DITIB-Zentralmoschee Köln. Foto: Superbass

Millionenprojekt in Stuttgart

Noch größer sind die Pläne in Stuttgart-Feuerbach. Dort baut eine DITIB-Gemeinde einen repräsentativen Moscheekomplex mit Platz für bis zu 2.000 Menschen. Die Kosten werden mit rund 24 bis 25 Millionen Euro angegeben.

Bei der Grundsteinlegung im Juni 2025 waren unter anderem die türkische Generalkonsulin und ein Auslandsvertreter der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet anwesend. Gleichzeitig fehlten laut damaligen Berichten noch rund 17 Millionen Euro zur Finanzierung.

Gerade daran zeigt sich eine Besonderheit der großen Moscheeprojekte: Sie sind nicht nur religiöse Räume. Sie werden häufig als komplette Gemeindezentren konzipiert – mit Bildungs-, Sozial- und Begegnungsangeboten.

Auch Millî Görüş baut weiter

Nicht jedes aktuelle Bauprojekt stammt von DITIB. In Sindelfingen erhielt eine Gemeinde der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) 2026 ebenfalls die Genehmigung für einen Moscheeneubau.

Politisch brisant ist der Bauherr: Das baden-württembergische Landesamt für Verfassungsschutz stuft die IGMG als Teil der Millî-Görüş-Bewegung ein und bezeichnet diese als islamistische Bewegung. Bundesweit seien etwa 10.000 Personen aktiv für Millî-Görüş-Organisationen tätig.

Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz beschreibt die IGMG in seiner Darstellung des Islamismus als die größte islamistische Organisation Deutschlands und verweist auf ihre international ausgerichteten Strukturen.

Die Genehmigung in Sindelfingen ist dabei kein politisches Gütesiegel: Die Stadt musste das Bauvorhaben nach geltendem Baurecht beurteilen. Selbst bei einem vom Verfassungsschutz beobachteten Verein kann eine Baugenehmigung erteilt werden, wenn die baurechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Kein einzelnes „Moschee-Netzwerk“ – sondern mehrere

Wer über den Moscheebau in Deutschland spricht, sollte deshalb nicht von einem einzigen zentral gesteuerten Netzwerk sprechen. Es gibt vielmehr mehrere große Organisationen und Dachverbände mit eigenen Gemeinden und Strukturen.

DITIB verfügt über ein bundesweites Netz türkisch-islamischer Gemeinden. Millî Görüş unterhält ebenfalls ein weitreichendes Vereins-, Bildungs- und Moscheenetzwerk. Daneben existieren unter anderem der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ), Ahmadiyya-Gemeinden sowie zahlreiche unabhängige oder ethnisch geprägte Moscheevereine.

Auch die Verbände selbst arbeiten zunehmend untereinander zusammen. DITIB schloss im Juli 2026 bereits die vierte Kooperationsvereinbarung mit einer anderen islamischen Religionsgemeinschaft in Deutschland. Ziel sei eine engere Zusammenarbeit auf Bundes- und Gemeindeebene.

Die religiöse Landschaft verändert sich

Während in Deutschland zahlreiche Kirchen aufgegeben oder geschlossen werden, entstehen gleichzeitig neue Sakralbauten anderer Religionsgemeinschaften. Eine aktuelle Bestandsaufnahme der Deutschen Welle beschreibt diese Entwicklung ausdrücklich als Teil einer sich verändernden religiösen Landschaft Deutschlands.

Auch der Blick nach Thüringen zeigt, dass es sich nicht ausschließlich um türkische Verbände handelt: Im Februar 2026 wurde in Erfurt der erste Moschee-Neubau Thüringens eingeweiht. Die Ahmadiyya-Gemeinde hatte das Projekt über Jahre verfolgt und nach eigenen Angaben aus Spenden finanziert.

Die Entwicklung ist damit größer als einzelne Bauvorhaben. Deutschland erlebt einen langfristigen Ausbau muslimischer Infrastruktur – getragen von Verbänden, Gemeinden und Spendenkampagnen.

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