Zehntausende Jung-Sozialisten, Linke, Migranten und LGBTQ-Ideologen gingen am Samstag in mehr als 30 deutschen Städten auf die Straße. Am Abend bestimmten vielerorts erschreckende Bilder das Geschehen: brennende Barrikaden, fliegende Steine, angegriffene Polizeibeamte und geplünderte Geschäfte. Eine Nacht, die eine bittere Bilanz hinterlässt.

Was tagsüber vielerorts als friedlicher Jugendprotest begann, eskalierte nach Ende der Kundgebungen in mehreren deutschen Städten. Besonders schwer traf es Frankfurt am Main. Dort schlugen Randalierer Schaufenster ein, drangen in Geschäfte ein und stahlen unter anderem Turnschuhe. Auch ein Waffengeschäft wurde attackiert. Nach Polizeiangaben flogen sogar Molotowcocktails auf Einsatzkräfte. Die Polizei sperrte Teile der Innenstadt ab. Bei der Attacke auf das Waffengeschäft wurden mehrere Tatverdächtige festgenommen, zwei Waffen sichergestellt.

Auch Hamburg wurde zum Schauplatz heftiger Ausschreitungen. Am Steindamm rissen teilweise vermummte Personen Baustellenabsperrungen heraus, errichteten Barrikaden und setzten diese sowie Mülltonnen in Brand. Polizisten wurden mit Steinen, Pyrotechnik und weiteren Gegenständen beworfen. Die Polizei löste die Versammlung auf und setzte Wasserwerfer ein. Rund 6.700 Menschen hatten zuvor an der Demonstration teilgenommen. Insgesamt waren in Hamburg etwa 1.300 Polizeibeamte im Einsatz.

In Stuttgart registrierte die Polizei nach der Demonstration rund 50 Straftaten. Fünf Polizeibeamte wurden leicht verletzt, mehrere Tatverdächtige vorläufig festgenommen. Auch in Köln musste eine Versammlung nach Angriffen auf Einsatzkräfte beendet werden. Die Polizei setzte zwei Wasserwerfer ein. Ein Beamter erlitt eine Handverletzung und war anschließend nicht mehr dienstfähig. Mehrere Hundert Personen wurden kontrolliert.

In Berlin wurden bei einer separaten Abenddemonstration mit bis zu 3.500 Teilnehmern 27 Polizeibeamte leicht verletzt. Die Polizei nahm 56 Menschen vorübergehend fest. Auch in Hannover wurden Einsatzkräfte mit Böllern beworfen, ein Beamter erlitt leichte Verletzungen. In Bremen kam es nach dem offiziellen Ende der Kundgebung zu Angriffen mit Schlägen, Tritten und Gegenständen. Mindestens eine Mülltonne wurde angezündet.

Damit summieren sich die bisher veröffentlichten Polizeibilanzen auf zahlreiche verletzte Einsatzkräfte und Festnahmen in mehreren Bundesländern. Allein in Berlin waren 27 leicht verletzte Polizeibeamte zu verzeichnen, in Stuttgart weitere fünf. Aus Köln und Hannover wurden jeweils verletzte Beamte gemeldet. In Frankfurt und Berlin gab es zudem zahlreiche vorübergehende Festnahmen. Eine amtliche bundesweite Gesamtsumme der Verletzten und Festnahmen liegt bislang nicht vor. Insbesondere aus Hamburg fehlten bei Veröffentlichung der polizeilichen Abschlussmeldung noch belastbare Zahlen zu Verletzten und Festnahmen.

Dabei ist eine Unterscheidung wichtig: Die eigentlichen Kundgebungen der Initiative „Gen Z regelt“ verliefen in vielen Städten friedlich. Die Gewalt ging nach Einschätzung des Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei, Andreas Roßkopf, insbesondere von autonomen und teilweise vermummten Gruppen aus, die sich nach Ende der Veranstaltungen bemerkbar machten. In Berlin handelte es sich bei der gewalttätigen Abenddemonstration zudem um eine eigenständige Veranstaltung, die nicht zur Initiative „Gen Z regelt“ gehörte.

Die Polizei musste mit Wasserwerfern, Großaufgeboten und Festnahmen reagieren. Für Geschäftsinhaber, Anwohner und Einsatzkräfte wurde der Samstagabend zum Ausnahmezustand.