Neue Ipsos-Studie zeigt einen bemerkenswerten Wandel: Die grundsätzliche Akzeptanz homosexueller Menschen bleibt in Deutschland hoch. Doch sobald es um konkrete LGBTQ-Forderungen, staatliche Regelungen oder Sichtbarkeit geht, sinkt die Zustimmung.

Deutschland bleibt bei der Ehe für alle mehrheitlich liberal: 70 Prozent der Befragten finden es richtig, dass gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen. Nur acht Prozent lehnen jede Form einer rechtlichen Anerkennung homosexueller Paare ab. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zustimmung zur Ehe für alle lediglich um einen Prozentpunkt zurückgegangen.

Doch bei konkreter LGBTQ-Politik sieht das Bild deutlich anders aus. Nur noch 45 Prozent unterstützen Gesetze, die Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität verbieten. Im vergangenen Jahr waren es noch 49 Prozent. Auch die grundsätzliche Zustimmung zum Schutz von Lesben, Schwulen und Bisexuellen vor Benachteiligung ist von 78 auf 74 Prozent gefallen.

Besonders deutlich wird der Wandel bei Sichtbarkeit und Repräsentation

Nur 44 Prozent der Deutschen finden es richtig, wenn queere Menschen offen mit ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität leben. 2025 waren es noch 46 Prozent.

Öffentliche Zuneigungsbekundungen queerer Menschen unterstützen nur 41 Prozent – drei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Noch geringer fällt die Zustimmung zur stärkeren LGBTQ-Repräsentation in Film, Fernsehen und Werbung aus: 30 Prozent sprechen sich dafür aus, während 27 Prozent dies ablehnen.

Auch Unternehmen können mit ihrem Engagement für LGBTQ-Themen offenbar nicht mehr auf denselben Rückhalt zählen wie noch vor einigen Jahren. Nur 40 Prozent der Deutschen finden es gut, wenn Unternehmen oder Marken aktiv für die Gleichberechtigung queerer Menschen eintreten. Gegenüber 2025 bedeutet das einen Rückgang um drei Prozentpunkte.

Beim Thema Transpolitik wird die Kluft noch größer

Besonders deutlich zeigt sich die Zurückhaltung bei konkreten Regelungen für sog. "Transmenschen".

Eine dritte Geschlechtsoption in staatlichen Dokumenten unterstützen aktuell 48 Prozent der Deutschen. 40 Prozent lehnen sie ab. Die Zustimmung ist damit gegenüber dem Vorjahr um vier Prozentpunkte gesunken.

Bei geschlechtsangleichenden Behandlungen wird die gesellschaftliche Spaltung noch deutlicher: Nur 39 Prozent befürworten die Kostenübernahme durch die Krankenversicherung, während 48 Prozent dagegen sind.

Im Leistungssport fällt die Zustimmung noch niedriger aus. Nur 22 Prozent unterstützen es, wenn trans Athleten im selbst definierten statt im bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht antreten dürfen.

Die entscheidende Trennlinie

Die Zahlen zeigen damit kein simples Bild von „mehr“ oder „weniger“ Akzeptanz.

Die Ehe für alle bleibt mit 70 Prozent Zustimmung sehr breit akzeptiert. Gleichzeitig verliert die Unterstützung für verschiedene konkrete Forderungen und Formen politischer oder gesellschaftlicher LGBTQ-Repräsentation an Zustimmung.

Ipsos selbst spricht von einer „Trendwende“. Die Befragung wurde zwischen dem 24. April und dem 8. Mai 2026 durchgeführt. In Deutschland nahmen rund 1.000 Menschen im Alter von 16 bis 74 Jahren teil.