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# Stahlgewitter ohne Waffenstillstand: AfD-Machtkampf geht in zweite Runde
- URL: https://www.volksmut.de/stahlgewitter-ohne-waffenstillstand-afd-machtkampf-geht-in-zweite-runde/
- Published: 2026-07-23T14:26:38.000Z
- Updated: 2026-07-23T14:26:38.000Z
- Description: Gericht weist Eilantrag ab, AfD-Parteivorstand schickt die Kommission – und der Fernkampf zwischen den Lagern geht munter weiter. Vergangene Woche zerlegte sich der nordrhein-westfälische Landesverband vor den Augen der Öffentlichkeit.
- Author: David Brough
- Tags: REPUBLIK

Vergangene Woche zerlegte sich der nordrhein-westfälische Landesverband vor den Augen der Öffentlichkeit ([VOLKSMUT berichtete](https://www.volksmut.de/selbstzerfleischung-in-marl-afd-nrw-versinkt-im-chaos-esser-schlagt-helferich/)). Reporter vor Ort waren nicht nötig, denn zwei verfeindete Flügel übten sich in Fernangriffen auf X und Social Media – Angriffe, Intrigen und Klage vor dem LG Düsseldorf. 

Der Schaden für die Partei ist erheblich – so erheblich, dass sich selbst der Bundesvorstand um Alice Weidel und Tino Chrupalla aus Berlin einschalten musste. **Ansage: Zwangsverordnete Ruhe, den Wahlkampf von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt bloß nicht gefährden.** 

Im Machtkampf konnte sich das gemäßigte Lager um Landeschef Martin Vincentz gegen das Lager um Matthias Helferich durchsetzen. Etappensieg, aber Politik ist ein Marathon. Wirklich gebracht hat die zwangsverordnete Stille Post des Bundesvorstands wenig – die Gemüter haben sich nicht beruhigt. Noch Tage nach dem entschiedenen Machtkampf geht der Fernkampf zwischen beiden Lagern weiter.

Für Wähler bleibt nur der Eindruck einer tief zerstrittenen Partei. **Sind das erste Zerfallserscheinungen einer Partei, die über Jahre große Konflikte unter den Teppich gekehrt und nach außen Einigkeit beschworen hat?** In Nordrhein-Westfalen verläuft auch die außenpolitische Äquator der Partei – Pro-Russland gegen Pro-Ukraine, mehr Mäßigung gegen mehr Volldampf. Wenn die AfD nicht aufpasst, fallen ihr die liegengebliebenen innerparteilichen Hausaufgaben auf die Füße. Das Stahlgewitter von Nordrhein-Westfalen könnte ein bitterer Vorgeschmack gewesen sein.

**Gericht weist ab – Berlin schickt die Kommission**

Das Landgericht Düsseldorf hat den Eilantrag des NRW-Landesverbands gegen den Bundesvorstand abgewiesen. Der Antrag sollte der Parteispitze untersagen, sich in die Listenaufstellung einzumischen. Das Gericht sah keine Dringlichkeit mehr – die Versammlung in Marl war bereits beendet.

Berlin reagiert trotzdem: Der Bundesvorstand setzt eine Untersuchungskommission ein. Sie soll den Landesverband durchleuchten – Finanzen, Mitglieder, Entscheidungen und mögliche Ordnungsmaßnahmen.

**Aussagen gegen Aussage:** Vincentz’ Lager hält die fertige Landesliste für rechtssicher, das Helferich-Lager sammelt weiter Material und wartet auf Rückenwind aus der Bundeszentrale.

Auf X und in den internen Chats fliegen weiterhin die Anschuldigungen hin und her. Die zwangsverordnete Ruhe aus Berlin hält keine Woche. Der Riss ist zu tief, die Gräben zu alt.

Was als Listenaufstellung in Marl begann, endete als öffentliches Schauspiel einer Partei, die sich selbst zerlegt, während draußen die Wähler zuschauen. Etappensieg für Vincentz – doch der Marathon hat gerade erst richtig angefangen.